Chance

Ich vermute: jeder bekommt seine Chance, etwas wertvolles zu tun. Meine Kita bekam diese Chance vorgestern, als eine Familienhelferin anrief, die für zwei türkische Kinder einen Kitaplatz sucht. Die Mutter der Kinder hat sich vor kurzem mit einem radikalen Bruch von ihrem Mann getrennt, empfängt Hartz 4 und dürfte einigermaßen verzweifelt sein – da passt es, dass die Kita gerade zwei Plätze frei hat und intensiv Kinder sucht.

Die Frau bekam nach großer Diskussion eine Ablehnung vom Vorstand. Zu groß waren die Ressantiments gegen Türken, die vorgeschobene Angst, der böse Vater könnte irgendwann vor der Tür stehen und Stress machen. Zu leise war auch die Stimme der Befürworter, keiner wollte sich aus dem Fenster lehnen, schließlich könnte der Vater ja wirklich irgendwann vor der Tür stehen und die Befürworter wären dann daran schuld, das irgendetwas unvorhersehbares passiert.

Zu wenig Courage, zu viele Vorurteile. Für einen christlichen Kinderladen, der mit Freude jedes Jahr den Martinstag feiert, ein Armutszeugnis. Oder die Wahrheit über Religion: Tolerant, solange es in der Familie bleibt.

One Response to “Chance”

  1. Temprament | The educator Says:

    [...] sie sich noch groß darüber beschweren, dass man zwei türkische Kinder mit einer Mutter in Not nicht aufnahm, dachte sogar laut über den Wechsel des Kinderladens nach, heute ist bereits alles vergessen und [...]

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