Der Morgen danach

Wir hätten uns nicht direkt am nächsten Tag wieder treffen sollen. So sitzen wir vor dem Fernseher und jedes Gespräch wirkt bemüht, nichts läuft von selbst. Ich trinke Tee, fange an zu schwitzen, öffne den Zipper, schließe ihn wieder. Vor uns Castingshows auf VOX, das einzige Gesprächsthema. Der Beuteltee, den sie aufgekocht hat, riecht nach Kotze. Hätte ich auch ahnen können, dass irgendwann alles auserzählt ist, erst recht wenn man am Vortag bereits gemeinsam angetrunken nach Hause gefahren ist.

Wobei: ich kenne diese schreckliche Bemühtheit, das schleppende Gespräch und mein Versinken in der Couch, bis mein Arsch fast auf dem Boden rutscht und ich wieder hochrücken muss. Passiert mir immer, wenn ich auf eine Frau stehe und mich mit ihr in fester Absicht, dass ich etwas unternehmen will, treffe.

Ich schau ihr ins Gesicht. Die Gnubbelnase ist mir gestern noch nicht aufgefallen, die ganzen Falten auch nicht. Ich schaue ins Zimmer: Geschmack ist etwas anderes, Ordnung auch. Von ihren Kochkünsten hatte ich mich am Vortag schon überzeugt. Ich gehe, sage das nächte Treffen mit ihr drei Tage später unter einem Vorwand ab. Nüchternheit ist mir ehrlich.

One Response to “Der Morgen danach”

  1. Zum Spaß | The educator Says:

    [...] seit einer halben Woche überlege ich, F. zu schreiben, sie einzuladen.. Mit ein wenig Alkohol und etwas Aufwärmzeit dürfte da durchaus [...]

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