Archive for April, 2009

Wicked game

Samstag, April 18th, 2009

Wie es eben so läuft: Die Party, die die Mitbewohner anberaumt hatten und auf die ich sie eingeladen hatte scheitert an zu wenig Menschen, kurz bevor L. kommen sollte flippte ich dementsprechend vor Nervosität aus, schnauzte den Mitbewohner an und wir entwickelten einen Plan B. Der Start schleppte sich mit einigen Peinlichkeitspausen, woraufhin wir uns aber vier Stunden lang gut und fast nur zu zweit unterhielten.

Sie ist gerade in der zwölften Klasse, schreibt 13 bis 14 Punkte in den Prüfungen, schaltet aber mündlich ab und versaut sich so 1/3 ihrer Note. Würde gerne Psychologie studieren, dafür reicht die Note aber nicht, ihre Alternative Cognitive Science wird in Berlin leider noch nicht gelehrt. Sie kommt aus einem Berliner Randgebiet, wurde von ihrem Vater (“Naturnazi”) nach Mecklenburg Vorpommern verschleppt, war dort wiederum aus Gründen der Rebellion ein Dorfpunk mit Iro und kam dann irgendwann wieder nach Berlin, um in Spandau ihr Abitur zu machen. Sie kann Pro Reli-Befürworter verstehen (Die Diskussion darüber musste ich aufgrund böser Erinnerungen schnell abwürgen.) und ist generell gerne Anti.

Am Ende war sie die erste Frau, der ich meine Chris Isaak-Platte vorgespielt habe. Ich verabschiedete mich mit dem Wunsch, mal ihre Plattensammlung zu sehen. Sie drückte mich fest. Wicked game.

98

Samstag, April 18th, 2009

Am Kanal

Temprament

Donnerstag, April 16th, 2009

Der Heiligenschein scheint jeden zu treffen, der mit dem evangelischen Kinderladen zu tun hat, in dem ich arbeite. Während mein Chefin immer noch denkt, sie könnte alles alleine (obwohl sie bereits an ihren jetzigen Aufgaben kläglich scheitert) meint die aus Franken stammende Kollegin, für sich selbst jedwige Wahrheit gepachtet zu haben, aber vor jedem anderen so reden zu müssen, wie es gerade schick ist. Ursprünglich wollte sie sich noch groß darüber beschweren, dass man zwei türkische Kinder mit einer Mutter in Not nicht aufnahm, dachte sogar laut über den Wechsel des Kinderladens nach, heute ist bereits alles vergessen und im Sande verlaufen. Die dritte Kollegin mag den größten Heiligenschein von allen haben, was ich für nicht minder problemlos halte. “Gott hält die Welt in seiner Hand, Gott hält die Menschen in seiner Hand” prügelt sie den kleinen Kinder ein, solange sie sich noch nicht wehren können.

Von den antiautoritär erziehenden Eltern (deren Kinder die nervigsten sind) oder denen, die ihre Kinder ohne Fernseher und Schokolade erziehen (und wegen denen man nicht ins Kino gehen darf mit allen Kinder) mag ich gar nicht anfangen – jeder fühlt sich von Gott berufen, seinen Weg durch alle Instanzen zu prügeln. Und merkt dabei nicht, dass gerade die Kinder auf der Strecke bleiben.

Developing story

Donnerstag, April 16th, 2009

Habe ihr eine SMS geschrieben. Der Mitbewohner musste auf Senden drücken und das Telefonat annehmen, das direkt danach von Anonym mein Handy zum Vibrieren brachte. Zum Glück war nur eine Marktforscherin dran.

Tuwort

Mittwoch, April 15th, 2009

Dieser sture Bock-Reflex verdient nähere Beachtung. Wenn ich dem einen Kitakind sage, es soll sich vom Sand abklopfen und hereinkommen, rollt es sich noch einmal komplett im Sand, bevor es hereinkommt. Je mehr Menschen auf mich einprügeln, real und virtuell, desto sicherer wird meine Entscheidung, sie nicht anzurufen, desto großer meine Lust, sofort loszuheulen.

Das kann ich mir alles schön- oder schlechtreden und lande trotzdem immer wieder bei meinen Eltern, die sagten: Es gibt nichts gutes, außer man tut es. Danach tat ich es für gewöhnlich aus Absicht nicht.

Kurzmitteilung

Dienstag, April 14th, 2009

Habe gestern die Nummer von der Frau in die Hand gedrückt bekommen, mit der ich mich Samstag so prächtig unterhalten habe. Wenn ich jetzt noch wüsste, wie ich es anstellen sollte, ich würde ihr glatt schreiben.

(Und in Gedanken mal ich mir schon wieder aus, wie ich mich anziehen müsste, um nicht mehr so overdressed rumzulaufen. Poor educator.)

Anbandeln, verkappt

Sonntag, April 12th, 2009

Wie viel Mut muss eine Frau haben, um mit wildfremden Menschen auf einer Party ins Gespräch zu kommen? Für sie war das scheinbar kein Problem, selbst die Abfuhren von Leuten, die nach ihren netten Versuchen einfach weiterzogen, schienen sie nicht zu beeindrucken. Mich beeindruckten sie, auch, weil daraus ein langes, nettes Gespräch über die Unfreundlichkeit von Ulmern, die Freundlichkeit von Berlinern, die verkappte Einwohnerschaft von Mecklenburg-Vorpommern und meinen Lieblingsbezirk Spandau wurde.

Irgendwann ging sie weg, um etwas zu holen, traf jemandem, quatschte mit dem kurz, kam wieder zurück, zeigte mir etwas, und die Luft war raus. Ich ging weg, wir warfen uns den ganzen Abend nur noch freundliche Blicke zu. Die Mitbewohner und ich gingen zusammen mit ihr und ihrer kleinen Schwester nach Hause, ich verabschiedete mich.

Warum hast du nicht nach der Nummer gefragt? fragt der eine Mitbewohner mich. Weiß ich nicht sagte ich, nur um in Gedanken hinzuzufügen: Weil sie vermutlich nur freundlich war, weil wir uns für den Moment nett unterhielten.

Neunzig Kilo, Einunddreißigster August

Freitag, April 10th, 2009

Heute beim Spaziergang am Kreuzberger Kanal den Bauch eingezogen, es selber gemerkt und darüber sehr erschrocken gewesen.

Drei Stunden später habe ich mich nach mehr als fünf Monaten spontan im Fitnesscenter blicken lassen. Schnell stellt sich das gute Gefühl der Erschöpftheit wieder ein, dieses Neugeboren sein nach dem Duschen und die Freude darüber, dass die Erde nicht den selben Widerstand beim Laufen verursacht wie mein Crosstrainer. Leider ist die Filliale in der Hasenheide mies ausgestattet (keine neuen Crosstrainer, kleine Fernseher). Vielleicht schaffe ich es ja, drei mal in der Woche nach der Arbeit zu trainieren und nur am Wochenende in Kreuzberg Ausdauertraining zu absoliveren.

Ach, was. Ich melde mich wieder, wenn ich regelmäßig da war und mein Trainingsplan up-to-date ist. Mit dem eindeutigen Ziel, bei Ausbildungsbeginn ohne Bauch und mit unter 90 Kilo aufzuwarten – momentan bin ich bei 99.

80

Freitag, April 10th, 2009

Leer

Im 80. Stockwerk

Donnerstag, April 9th, 2009

Im 80. Stockwerk,
in dem Haus, das es nicht gibt,
in der Stadt, die es nicht gibt,
wird ein Mädchen steh’n.

Es wird warten auf den Mann,
es wird fragen, wann, endlich wann,
wird er da sein?

(LyricWiki)

(Erst Holgi muss mich darauf stoßen, dass das Lied gar nicht von Lee Buddah ist, der es für den Soundtrack von Nichts bereuen eingesungen hat, sondern im Original aus der Feder von Hildegard Knef stammt.)