Archive for Mai, 2009

Frackträger

Donnerstag, Mai 28th, 2009

Der Geruch von altem, verbrauchtem Bongwasser, die Nächte, die wir uns auf seinem Dachboden mit einer Tüte voll Gras, ein paar Comics und vielen Nutellabroten um die Ohren schlugen. Der eine Sonntag, an dem wir um sechs Uhr morgens nach durchzechter Nacht durch Kreuzberg fuhren um in der Hasenheide Gras zu kaufen, dort aber niemand war und wir Ewigkeiten lang wieder zurückfuhren um dann friedlich in den Liegestühlen einzuschlafen.

Bin ich eigentlich zu früh erwachsen geworden? Verplane ich mir mit stumpfen Babysittingterminen, Aufräumaktionen und Vernunft die Zeit, in der ich eigentlich Spaß haben sollte?Es scheint, als hätte ich mich als einziger für den Ernst des Lebens entschieden. Und nicht mitbekommen, dass ich damit allein unter vierzigjährigern Frackträgern bin.

Zugegeben

Mittwoch, Mai 27th, 2009

Als ich mit Vierzehn einen Internetanschluss ins Zimmer bekam, habe ich mich die erste Nacht nur in Gästebüchern verewigt, Chatrooms getummelt und bin am nächsten Tag völlig übermüdet zur Schule. Nur wenig später landete ich dann in einer Schwulencommunity mit Forum, Chat, Kontaktbörse und allem, was dazugehört. Das ist für einen Vierzehnjährigen Jungen wie ich es war durchaus eine nette Erfahrung, hat man es doch hier mit tausenden Männern zu tun, die schon ausgewachsene Geschlechtsorgane samt Behaarung haben und auch gerne und bereitwillig über ihre Erfahrungen im Umgang damit erzählen.

Irgendwann muss mein Vater das mitbekommen haben. Er war äußerst sauer: “Das ist das Internet! Wenn das andere herausfinden, dass du auf “solchen” Webseiten angemeldet bist! Und deine Freunde, stell dir das mal vor was die mit dir machen, wenn die das herausbekommen!” So lernte ich schon früh: Sei anders, aber halt das Maul. Die Kurve bekam ich zum Glück noch bevor mich einer der nicht wenigen Pädophilen tatsächlich zum “Fotos machen” überredet hatte. Irgendwann später steckte ich meiner Mutter noch mal einen Zettel zu, auf dem stand, dass ich schwul sei, und dass sie das “einfach zu akzeptieren” hatten. Different story.

Neulich habe ich mich wieder auf einer Datingplatform angemeldet. Und bei der Auswahl, ob ich Homo, Bi oder Hetero sei den Weg des geringsten Widerstands genommen und Hetero angekreuzt. Ich dachte: Sollte einer meiner Freunde mein Profil da finden gibt es nur Diskussionen.

Hoffentlich mache ich nicht den selben Fehler bei der Erziehung meiner eigenen Kinder. Hoffentlich machen meine Kinder diesen Fehler nicht irgendwann. Denn ich hätte durchaus berechtigtes sexuelles Interesse, es mal mit einem Mann zu probieren, auch wenn mein Fokus momentan beim anderen Geschlecht liegt. Aber es zuzugeben, dazu fehlt mir der Mut.

Nordkorea

Mittwoch, Mai 27th, 2009

Die ärmste Bevölkerung der Welt unter dem schlimmsten Diktator der Welt. So sehr ich mich gegen Krieg und das mit chirurgischer Präzision verbreitete Elend in der Zivilbevölkerung sträube: Nehmt diesem Irren die Atomwaffen weg. Bitte.

Abteilungsbericht

Dienstag, Mai 26th, 2009

Und wieder ist hier Publikum, dem ich so nah bin, dass ich nicht über alles bloggen kann. Ein anonymes Blog liesst niemand, ein öffentliches Blog immer der ein oder andere zu viel. Wie macht ihr das eigentlich? Ach, ihr habt einen Partner, mit dem man soetwas besprechen kann. Sollte ich mir auch zulegen, oder wenigstens eine versaute Freundin.

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S. will jetzt wieder etwas mit mir zu tun haben. Sie weiß nur noch nicht, wie das erste Treffen nach meinem Liebeseingeständnis wird und macht sich deshalb “so ihre Gedanken”, “aber mit einem Smiley”. Nur um einen Satz weiter auf meine Theatereinladung einzugehen und vorzuschlagen, doch mal Vormittags ins Kino zu gehen. Ich muss eine der Guten erwischt haben, eine der entfernten Freundinnen, mit denen man durchs Leben gehen kann. Das scheint viel wert, wenn auch nie mehr daraus werden wird.

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“Mein Name ist Schmidt, ich rufe im Namen der XY Finanzabteilung an…”

24h

Sonntag, Mai 24th, 2009

Gefangen in der Realität: Die Pilze und der Ruccola waren schon im Risottomatsch, als mein Mitbewohner meinte, ich könne L. doch einladen. Zwei mal überlegt und gewartet, schon stand das Essen auf dem Tisch und die Frage erübrigte sich. Am Freitag soll es noch ein letztes mal Spargelrisotto geben, ich werde L. einladen.

(Das Problem: Sie kennt zu viele Leute. Ist offen, trifft sich mit jedem, hat viele Freunde. Da bin ich sicher nur einer unter vielen. Und wenn nicht: Ich würde es ja doch nicht merken.)

Später gingen wir in den Club, von dem der Mitbewohner seit einem halben Jahr schwärmt, der dieses Wochenende nun aber endgültig zu macht. Die Hemmschwelle sinkt, wenn da niemand ist, der mich an der Tür begutachtet, mein Aussehen als zu freakig/fett/picklig klassifiziert und mich wieder nach Hause schickt. Das, was alle immer gemacht haben. Dem man dann automatisch aus dem Weg geht, um der Enttäuschung vorzubeugen und sich irgendwann mit diesem kranken Automatismus selbst ins Knie schießt, wenn es wirklich wichtig ist.

Anyway, ein Uhr. Die Beats sind gut. Ich tanze. Hell, seit ich vor ein paar Jahren im FritzClub mit S. zu mittelmäßigem Elektro schrecklich rumgezappelt habe hatte ich ein Clubtrauma und jetzt tanze ich zum ersten mal. Aufrichtig, ehrlich. Gut, mit den zwei Frauen, die mich seitlich antanzten konnte ich nicht umgehen, ein konstanter Blick zum DJ und ein wenig Aushaltevermögen taten ihr übriges.

Aufhören, jemand werden zu wollen. Anfangen, jemand zu sein.

Jeder Tag ein Schritt. Irgendwann komme ich bei dir an.

Zwischenspiel

Mittwoch, Mai 20th, 2009

L., meine liebgewonnene Zufallsbekanntschaft, hat angerufen. Sie war gerade bei mir in der Straße, wollte sich mit mir treffen. Etwas ungünstig, da ich erstens gerade aufgewacht war und zweitens verschwitzt im Bett lag (krank), aber: Ich soll sie anrufen, dann treffen wir uns. Und dann gibt sie mir auch das Buch wieder, von dem ich gar nicht wusste, dass ich es ihr ausgeliehen hatte. Vorsatz für das nächste Treffen: Weniger Alkohol, mehr Action.

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Habe S. immer noch nicht auf ihre Mail geantwortet. Vermute, wenn ich ihr nicht in den nächsten Tagen antworte ist der Zug komplett abgefahren. Jetzt sollte ich langsam mal eine Entscheidung treffen, ob da Freundschaftsmäßig noch irgendwas zu retten ist. Ob ich überhaupt etwas retten will.

Endstation Intelligenz

Sonntag, Mai 17th, 2009

Wir laufen durch die Kirchen Palermos, vorbei am Brunnen der Schande, immer weiter Richtung Innenstadt. Unser Stadtführer erzählt von den unterschiedlichen Baustilen, von Kirchen, die aussehen wie muslimische Moscheen und einer der Reiseteilnehmer, den ich für seinen bayerischen Dialekt während der Sizilienfahrt gerne ausgelacht habe, glänzt mit Fachwissen zu den unterschiedlichen Epochen. Ich bin still.

Ich habe keine Ahnung, wann die Menschheit im Gothik-Stil gebaut hat. Wann die Römer wo eingezogen sind. Wie langweilig Faust II wirklich ist. Ich laufe durch ein Kunstmuseum und schaue mir nur die Bilder an, denn mit den Hintergründen kann ich nichts anfangen, ein Gesamtbild erschließt sich mir selten.

Vielleicht bricht es mir irgendwann das Genick, dass ich kein Abitur habe, vielleicht werde ich damit einfach leben. Während meiner Erzieherausbildung fehlt mir jedenfalls die Zeit, um es an der Abendschule nachzuholen. Der mickrige Bafög-Satz zwingt mich zum Jobben. Ob ich danach noch mal die Muße haben werde, meinen Bildungsstandard aus Spaß anzuheben, ob ich es bis dahin im Selbststudium geschafft habe, mir ein wenig Kulturhistorie anzueignen?

Neben dem Schreibtisch liegen fünf Bücher, frisch aus dem Antiquariat. Unter anderem Berlin Alexanderplatz von Döblin, Hawkings kurze Geschichte der Zeit und Tucholskys Deutschland, Deutschland über alles. Vermutlich habe ich bis September keines der Bücher auch nur angefasst, Musik hören ist auf dem Arbeitsweg einfach gefälliger. Und falls doch könnte ich meinen Bildungsplan ja noch mal anfassen und mich spätestens nach der Erzieherausbildung an der Abendschule einschreiben.

Um mich irgendwann mal nicht mehr so dumm zu fühlen.

Aushalten

Freitag, Mai 15th, 2009

Es ist gut für dich, dass du endlich die Wahrheit gesagt aber halte ich das aus?

Naja. Sie hätte mich auch auslachen und fertig machen können, um es mal positiv zu sehen.

170

Donnerstag, Mai 14th, 2009

The bride

Oh. Well. Then!

Donnerstag, Mai 14th, 2009

Ach was ich noch erzählen wollte…. so nebenbei… Ich bin seit knapp 2 Wochen alleinstehend.