Endstation Intelligenz

Wir laufen durch die Kirchen Palermos, vorbei am Brunnen der Schande, immer weiter Richtung Innenstadt. Unser Stadtführer erzählt von den unterschiedlichen Baustilen, von Kirchen, die aussehen wie muslimische Moscheen und einer der Reiseteilnehmer, den ich für seinen bayerischen Dialekt während der Sizilienfahrt gerne ausgelacht habe, glänzt mit Fachwissen zu den unterschiedlichen Epochen. Ich bin still.

Ich habe keine Ahnung, wann die Menschheit im Gothik-Stil gebaut hat. Wann die Römer wo eingezogen sind. Wie langweilig Faust II wirklich ist. Ich laufe durch ein Kunstmuseum und schaue mir nur die Bilder an, denn mit den Hintergründen kann ich nichts anfangen, ein Gesamtbild erschließt sich mir selten.

Vielleicht bricht es mir irgendwann das Genick, dass ich kein Abitur habe, vielleicht werde ich damit einfach leben. Während meiner Erzieherausbildung fehlt mir jedenfalls die Zeit, um es an der Abendschule nachzuholen. Der mickrige Bafög-Satz zwingt mich zum Jobben. Ob ich danach noch mal die Muße haben werde, meinen Bildungsstandard aus Spaß anzuheben, ob ich es bis dahin im Selbststudium geschafft habe, mir ein wenig Kulturhistorie anzueignen?

Neben dem Schreibtisch liegen fünf Bücher, frisch aus dem Antiquariat. Unter anderem Berlin Alexanderplatz von Döblin, Hawkings kurze Geschichte der Zeit und Tucholskys Deutschland, Deutschland über alles. Vermutlich habe ich bis September keines der Bücher auch nur angefasst, Musik hören ist auf dem Arbeitsweg einfach gefälliger. Und falls doch könnte ich meinen Bildungsplan ja noch mal anfassen und mich spätestens nach der Erzieherausbildung an der Abendschule einschreiben.

Um mich irgendwann mal nicht mehr so dumm zu fühlen.

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