Zugegeben
Als ich mit Vierzehn einen Internetanschluss ins Zimmer bekam, habe ich mich die erste Nacht nur in Gästebüchern verewigt, Chatrooms getummelt und bin am nächsten Tag völlig übermüdet zur Schule. Nur wenig später landete ich dann in einer Schwulencommunity mit Forum, Chat, Kontaktbörse und allem, was dazugehört. Das ist für einen Vierzehnjährigen Jungen wie ich es war durchaus eine nette Erfahrung, hat man es doch hier mit tausenden Männern zu tun, die schon ausgewachsene Geschlechtsorgane samt Behaarung haben und auch gerne und bereitwillig über ihre Erfahrungen im Umgang damit erzählen.
Irgendwann muss mein Vater das mitbekommen haben. Er war äußerst sauer: “Das ist das Internet! Wenn das andere herausfinden, dass du auf “solchen” Webseiten angemeldet bist! Und deine Freunde, stell dir das mal vor was die mit dir machen, wenn die das herausbekommen!” So lernte ich schon früh: Sei anders, aber halt das Maul. Die Kurve bekam ich zum Glück noch bevor mich einer der nicht wenigen Pädophilen tatsächlich zum “Fotos machen” überredet hatte. Irgendwann später steckte ich meiner Mutter noch mal einen Zettel zu, auf dem stand, dass ich schwul sei, und dass sie das “einfach zu akzeptieren” hatten. Different story.
Neulich habe ich mich wieder auf einer Datingplatform angemeldet. Und bei der Auswahl, ob ich Homo, Bi oder Hetero sei den Weg des geringsten Widerstands genommen und Hetero angekreuzt. Ich dachte: Sollte einer meiner Freunde mein Profil da finden gibt es nur Diskussionen.
Hoffentlich mache ich nicht den selben Fehler bei der Erziehung meiner eigenen Kinder. Hoffentlich machen meine Kinder diesen Fehler nicht irgendwann. Denn ich hätte durchaus berechtigtes sexuelles Interesse, es mal mit einem Mann zu probieren, auch wenn mein Fokus momentan beim anderen Geschlecht liegt. Aber es zuzugeben, dazu fehlt mir der Mut.