Karma

“Werden sie Kindergärtnerin, das ist ein einfacher Job” muss damals jemand zu meiner Chefin gesagt haben, als klar wurde, dass die Karriere als Dekorateurin mit ihren Knieproblemen wohl nichts wird. Jetzt steht sie bei uns in der Kita und lacht, wenn ein Kind stolpert und hinfällt. Oder gegen irgend etwas läuft und sich weh tut. Natürlich tröstet sie die Kinder danach, aber erstmal ist das ja alles so lustig, dass man sich wegschmeißen könnte. Und es auch tut, wenn man meine Chefin ist.

Dann die andere Kollegin aus Süddeutschland. Läuft plötzlich in irgendeine Richtung, ein Kind hinter ihr muss deswegen ausweichen und stößt mit einem anderen zusammen. “Das kommt davon, wenn man so viel rumtobt” sagt sie dann und streichelt den Kindern über den Kopf.

Das war das erste, was mir meine erste Arbeit und meine letzte Kita beigebracht haben: Sei aufrichtig, sei ehrlich und reiß dich zusammen. Rede vor den Eltern nicht schlecht über die Kinder. Sage nicht, der oder die isst das ja sowieso nicht: Sie werden es dann sicher auch nicht essen. Meine Kolleginnen stört das herzlich wenig, wie ich in den letzten Monaten beobachten durfte.

-

Heute ist die neue Kollegin wieder gegangen, im Juli fängt sie in einer neuen Kita an. Gekündigt hat sie nicht wegen den Kindern und auch nicht wegen der Kollegin, mit der sie zusammenarbeitet. Sondern wegen den beiden oben erwähnten Kolleginnen auf der anderen Seite, die uns das Leben in der Gruppe der kleinen Kinder zur Hölle machen. Wieder eine Person weniger, die mir bei dem ganzen Terror Beistand leistet.

Leave a Reply