Klein anfangen

Meinen Mitgliedsausweis der Linken trage ich immer im Portemonnaie. Trotzdem würde ich mir nichts lieber wünschen, als ihn abzugeben. Denn Die Linke hat zwei entscheidendes Probleme, die ihr immer wieder das Genick brechen: Lafontaine und ihr Ruf. Lafontaine ist ein elender Stammtischredner, der es mit der Frauenquote öfters mal nicht so genau nimmt. Und ihr Ruf sorgt dafür, dass ich mit den ehemaligen Schulkameraden meiner Mutter bei einer Bratwurst am Tisch sitze und einer “Was soll man denn noch wählen? Rot oder Braun.” sagt. Mit solchen Leuten möchte ich eigentlich nicht an einem Tisch sitzen, nicht mal in der Wahlkabine an der selben Stelle das Kreuz machen. Es ist die Partei der Hoffnungslosen und Protestwähler. Und scheinbar nur zu wenigen Prozenten die Partei derer, die mit linker Politik etwas erreichen wollen.

Nachdem sich die Grünen mit ihrer netten CDU-Koalition in Hamburg für mich unwählbar gemacht haben hätte die Piratenpartei eine Alternative sein können. Eine Partei, die fortschrittliche Medienpolitik macht, Konservativ als Schimpfwort wahrnimmt und nach ein paar Jahren auch ein vernünftiges Konzept vorlegen kann, welches bitte ungefähr bei den Grünen verortet werden sollte, mit denen man sich so gerne vergleicht. Zumindest habe ich davon geträumt, das es so kommt.

Scheinbar nimmt sich die Piratenpartei aber in ihrer Blase zu ernst und lässt sich außerhalb dieser tragen, wohin die Winde wehen. Herrn Tauss an die vorderste Front der Bewegung zu stellen und ihn zu Kinderpornosperren sprechen zu lassen, wo er doch genau bei diesem Thema dick und fett gebrandmarkt wurde halte ich sogar für das dämlichste, was man machen konnte.

Trotzdem: Ich habe einen Antrag auf Wahlzulassung für die Piratenpartei unterschrieben und wünsche ihr mehr Menschen wie Anke Gröner, die sich ernsthafte und gute Gedanken zur Ausrichtung der Partei machen. Dann wird aus ihr vielleicht eines Tages eine wählbare Alternative für irgendwen. Für mich sicher nicht.

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