Archive for Juli, 2009

Im Freilichtkino

Mittwoch, Juli 29th, 2009

Wizards of Oz. Ich dachte die ganze Zeit nur eins: Gebt mir diese verdammten roten Slipper, damit ich endlich zur rothaarigen Fee fliegen kann.

Bettgeflüster

Mittwoch, Juli 29th, 2009

Zum dritten Mal erzählt sie mir, dass sie es wirklich fertig gemacht hat, dass ich noch nie vorher Sex hatte. Was immer sie macht wird mein Frauenbild für immer beeinflussen, sagt sie. Ich sage nein. Beschwichtige, kuschele. Es ist alles ok.

Sie müsse mich etwas sehr intimes fragen, sagt sie. Dazu muss sie sich in meinen Arm kuscheln. Was für eine Beziehung das ist, fragt sie.

Mist, denke ich. Sie hat das Talent, wichtige Fragen, die ich schon längst stellen wollte, selbst auf die Tagesordnung zu bringen, so, dass ich im Zugzwang bin.

Ich rede über September, darüber, dass unser Trennungsdatum schon im Kalender steht. Sie redet darüber, das ich jetzt, wo ich Sex hatte, sicher gerne auch mal mit einer anderen Frau schlafen wollen würde.

Ich sage nein, beschwichtige, kuschele mich an sie heran. Nicht, dass mir der Gedanke nicht auch schon selbst gekommen ist, aber da sie die erste nach zwanzig Jahren ist wird sich die nächste Partnerin ja nicht gleich nach einer Woche finden lassen.

Oder? Wir nennen es offene Beziehung. Wir sind zufrieden. Sie hat Kopfschmerzen, wir haben keinen Sex. Ich sage, ich mag es auch so. Sie sagt danke und kann vor Gedankenwirrwar doch stundenlang nicht einschlafen.

Smells like teen spirit

Dienstag, Juli 28th, 2009

Am Montag roch mein Zimmer nach einer explosiven Mischung aus Latex und Gleitgel, bei der jedem Gemüseverkäufer klar werden sollte, welche Gräultaten sich hier am Wochenende ereignet haben.

Neben jemandem aufzuwachen ist schön. Küssen ohne sich vorher die Zähne zu putzen nicht. Raucher schmecken beschissen. Und Erfahrungen müssen gemacht werden.

Über Chauvinismus und Borniertheit

Montag, Juli 27th, 2009

Paul (4 Jahre, Name geändert) kommt mit einem Kleid in die Kita. Kollegin A, B und C lachen ein wenig, Kollegin B fragt ihn, ob er heute eine “Pauline” sei. Nachdem die Eltern weg sind ist man sich sicher, dass man sein Kind so nie in die Kita lassen würde.

H. haut mit einem schweren Holzgegenstand auf den Boden. “H., das ist doch kein Hammer, das ist ein Kartoffelstampfer! Frag mal die Frauen, die wissen das!” sagt Kollegin B zu ihm.

Die Vier- und Fünfjährigen haben eines Nachmittags begonnen, den Kaufmannsladen und die Kinderküche “Mädelsecke” zu nennen. Kollegin A ist empört und nennt die Kinder allen ernstes und ohne weitere Erklärung “Chauvis”, Kollegin B lacht herzlich. Die Herkunft des Wortes Mädelsecke wird kurzerhand der nicht anwesenden Kollegin C untergeschoben.

“Wir helfen den Kindern, Weltoffenheit und Toleranz zu entwickeln.” (Kitakonzept.)

September

Sonntag, Juli 26th, 2009

Zwei fantastische Abende, vierzehn Stunden Schlaf, dazwischen jeweils mehrere Stunden mit enormen Begeisterungsschüben. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass sich Sex so anfühlt, noch, dass es so einfach wäre. Vieles gesehen und gelesen, aber die Realität ist deutlich aufregender, länger andauernd und damit auch irgendwie langwieriger, im negativen Sinne. Eine einzige Berg- und Talfahrt, wobei ich sie nie auf dem Boden der Realität ankommen lasse. Ich glaube, dafür ist sie mir dankbar.

Nach dem Duschen trocknete ich sie ab und musste mich schwer zusammenreißen, das Handtuch nicht sofort wegzulegen. Was mache ich da? Ist sie ein kleines hilfloses Mädchen, ich der Beschützer? Sie sagte, sie mag es, ich konnte mich selbst nicht leiden.

Jetzt wird das Beziehungsfass natürlich erst richtig aufgemacht. Mir steht schon der kalte Angstschweiß im Nacken, wenn ich sie meinen Freunden vorstellen soll. Die sicher allesamt begeistert sind, jetzt englisch sprechen zu müssen. In ein paar Tagen werden uns der ewige Sex-Marathon vermutlich auch langweilen, dann geht es ins day-to-day business. Außerdem warte ich darauf, dass das Kondom mal reißt. Eine Australierin, die weit über ihrem Visa in Berlin lebt, hat natürlich weder Krankenversicherung noch die Pille. Ich hoffe, ich habe in der betrunkenen Hektik der ersten Nacht keinen Fehler gemacht.

Wir sollten darüber reden. Was schwierig ist, wenn ihre Lippen zwischen meinen Zähnen klemmen. Die Aussicht ist September: Dann fliegt sie für mehrere Monate zurück nach Australien. Eine Monatsbeziehung ohne Reue. Ich hoffe, das klappt.

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Samstag, Juli 25th, 2009

Ich warte die ganze Zeit darauf, dass jemand mit einem Blumbenstrauß und einer großen Packung Konfekt um die Ecke kommt.

Der Grund

Freitag, Juli 24th, 2009

“It’s two a clock. I really need to go to work at seven tomorrow.” “Mh, okay.” Sie rückt näher. “Just a question: Is this more like a friend-meeting or a short-term date-meeting?” “Uhm, i believe it was a friend-meeting, but i really like the idea of short-term dating…” “Then i may kiss you.”

Da verlieren so Blogs wie dieses hier ja schon mal innerhalb von drei Stunden die Hälfte der Existenzgründe. Drei Stunden. Gott, bin ich hungrig. Und betrunken. Und muss gleich zur Arbeit. Und habe eine Frau in meinem Bett zu liegen.

Geschichtenerzähler

Mittwoch, Juli 22nd, 2009

Ich bin kein Geschichtenerzähler. Daher auch meine Telefonangst in Verbindung mit Frauen: Woher weiß ich, dass du auf meinem voll ausgebreiteten Gefühlsteppich nicht rumtrampelst, weil du nebenbei abwäscht und dir die Fingernägel aus Spaß in geilen Farben lackierst, während ich dir erzähle, dass die Chefin heute drei Kinder gleichzeitig fertig gemacht hat? Ich muss dir schon in die Augen sehen und dazu brauche ich ein Bier.

Also ein Bier. Dann klappt das freie Reden auch gleich viel besser. Mündlich vom Prenzlauer Berg nach Schöneweide kommen. In Echt schwitze ich mich dabei jeden Tag in der S-Bahn tot, werde aber sicher noch die Chance nutzen, mit einer schwäbischen S-Bahn in Berlin zu fahren, auch, wenn ich damit eher nach Lichterfelde Ost komme.

Lichterfelde. Osten. Zweites Bier. Der Mitbewohner sagt ja immer, warum soll ich die und die treffen, nüchtern haben wir uns nichts zu sagen und besoffen werden kann ich auch allein. Ich pflichte ihm bei, muss aber jedes mal anmerken, dass er währenddessen trotzdem Sex hat, ich nicht, nie. Dann doch lieber nichts sagen. Oder besoffen sein. Obwohl das für mich auch nicht funktioniert.

Drittes Bier, ab jetzt Rothaus, weil ich meinen Schwabenhasse im Suff immer vergesse. Nüchtern gehe ich öfters durch Mitte und rufe laut und in kurzen Abständen aus, dass ich Schwaben hasse. Hat mir bis jetzt noch keinen Ärger eingebracht, das muss ein äußerst langsames, oft besoffenes oder selten gleichgültiges Volk sein.

Beim vierten Bier steigt die Stimmung ebenso an wie die Schwierigkeiten, das Wort Polonaise auszusprechen. Macht nichts, weil mir eh schwindlig ist, weil man ja in Berlin immer auf Pontons (ein Wort, das betrunken erst an Schwung gewinnt) auf der Spree rumsitzen muss um Bier zu trinken, weil die Spree halt da ist und irgendetwas muss man ja damit machen. Also sitzen wir darauf herum.

Wir sind Berlin. Wir bezahlen vorher und gehen, wenn es vorbei ist, in die nächste Bar. Um von vorne zu zählen.

Flach halten

Mittwoch, Juli 22nd, 2009

Wie es morgen wohl ablaufen wird? An welche Stelle wird sie sich neben mich auf die Couch setzen, was wird sie trinken, essen, worüber erzählen? Muss ich die erste eindeutige Handbewegung machen oder werde ich dann schon viel zu betrunken sein, um noch feinfühlig zu reagieren?

Die interessanteste Frage ist wohl: Gehöre ich zur Kategorie “new friends” oder zu “short-term dating”? Wenn mir nicht bald jemand sagt, wie ich den Unterschied erkenne, werde ich es wohl morgen herausfinden müssen.

Aufregung

Dienstag, Juli 21st, 2009

“Noch ein Monat bis zum Ausbildungsbeginn. Bist du schon aufgeregt?” fragt die Kollegin. “Nein.” sage ich, sie kichert. Vor wem oder was soll ich aufgeregt sein? Vor einer niedriegen Ausbildung, bei der ich neben Susi aus Brandenburg sitzen werde?

Ein wenig aufgeregt bin ich, weil ich nicht weiß, von wie viel Geld ich dann leben werde. Ein wenig Respekt habe ich vor meiner Reaktion, wenn die Schule auf einmal keinen Spaß mehr macht. Werde ich dann wieder die Hälfte der Zeit fehlen, von der Schule fliegen? Wird die WG über die Dauer der Ausbildung halten, falls nicht, muss ich mich dann wieder auf den Markt stellen und jedem anbieten? Aufgeregt bin ich, weil ich hoffe, ein Praktikum in einem Kinderhospiz machen zu können um meine größte Herausforderung bisher zu meistern: Kindern einen angenehmen Tod zu bereiten.

Das sind Sachen, die mir Angst machen, die für schlaflose Nächte sorgen. Die Ausbildung an sich werde ich einfach machen. Was Susi kann, kann Hans sicher.