September

Zwei fantastische Abende, vierzehn Stunden Schlaf, dazwischen jeweils mehrere Stunden mit enormen Begeisterungsschüben. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass sich Sex so anfühlt, noch, dass es so einfach wäre. Vieles gesehen und gelesen, aber die Realität ist deutlich aufregender, länger andauernd und damit auch irgendwie langwieriger, im negativen Sinne. Eine einzige Berg- und Talfahrt, wobei ich sie nie auf dem Boden der Realität ankommen lasse. Ich glaube, dafür ist sie mir dankbar.

Nach dem Duschen trocknete ich sie ab und musste mich schwer zusammenreißen, das Handtuch nicht sofort wegzulegen. Was mache ich da? Ist sie ein kleines hilfloses Mädchen, ich der Beschützer? Sie sagte, sie mag es, ich konnte mich selbst nicht leiden.

Jetzt wird das Beziehungsfass natürlich erst richtig aufgemacht. Mir steht schon der kalte Angstschweiß im Nacken, wenn ich sie meinen Freunden vorstellen soll. Die sicher allesamt begeistert sind, jetzt englisch sprechen zu müssen. In ein paar Tagen werden uns der ewige Sex-Marathon vermutlich auch langweilen, dann geht es ins day-to-day business. Außerdem warte ich darauf, dass das Kondom mal reißt. Eine Australierin, die weit über ihrem Visa in Berlin lebt, hat natürlich weder Krankenversicherung noch die Pille. Ich hoffe, ich habe in der betrunkenen Hektik der ersten Nacht keinen Fehler gemacht.

Wir sollten darüber reden. Was schwierig ist, wenn ihre Lippen zwischen meinen Zähnen klemmen. Die Aussicht ist September: Dann fliegt sie für mehrere Monate zurück nach Australien. Eine Monatsbeziehung ohne Reue. Ich hoffe, das klappt.

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