Fallen lassen

Die ganze Nacht tanzen wir. Das Stattbad scheint ihr zu gefallen, mir gefällt es, unbeschwert mit ihr herumzualbern. So fühlt sich Freundschaft an.

Zwei Stunden vorher erzählt sie davon, dass sie überhaupt kein Interesse an sexuellen Handlungen hätte. Sich noch nie selbst befriedigt hat. Dass es das gibt, Asexualität, und das im Internet Foren voll davon sind. Ich erzähle ihr von dem geplatzten Kondom, der Krankenhaustour am Nachmittag und davon, dass das Problem weiterhin besteht. Erzähle ihr, dass ich zur Australierin gesagt habe, dass ich sie mag, wirklich mag, liebe. Sie sagt mir, dass das ein Fehler war.

Wir gehen tanzen. Sturzbetrunken nähere ich mich der schwarzgelockten Schönheit mit dem roten Top, nachdem wir uns schon die ganze Stunde davor  mit den Augen verfolgt haben. Sie rückt kein Stück näher, erst zum Schluss kommt sie plötzlich an mich heran, vermutlich aus versehen. Ich tanze, was das Zeug hält, sie redet kurz mit ihrer Freundin und geht.

S. schüttelt den Kopf. Manchmal muss man Dinge auch fallen lassen können, sagt sie. Wir verabschieden uns. In der U-Bahn kann ich die Augen kaum noch offen halten. Lasse mich fallen.

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