Archive for Oktober, 2009

Sparmaßnahmen

Samstag, Oktober 31st, 2009

Bereits in der zweiten Woche in Folge gibt mein Portemonnaie nur noch zehn Euro her. Die Kreditkarte ist ausgereizt, das Dispo sowieso. Meine Eltern höre ich nur noch darüber jammern, wie viel sie meiner Schwester beisteuern müssen, an welchen Stellen sie selbst überall sparen müssen. Also bin ich derjenige, der bei Plus vor dir für unter drei Euro einkauft und mit EC-Karte bezahlt, weil das die Summe ist, die das Dispo noch hergibt. Der, der sich auf dem Mauerpark-Flohmarkt nicht mal eine Görlitzer Wurst kauft, weil zuhause noch zwei Scheiben Brot im Schrank sind.

Irgendwann in den nächsten Wochen sind die Babysittingeltern wieder da. Und spätestens nach dem Gehaltseingang in der Mitte des Monats gehe ich zu Perfetto, kaufe mir Penne von De Cecco, ein wenig italienische Salami, brate die in der Pfanne an, fülle das dann mit Tomatenmark und Wasser auf und reibe Massen von Parmesan darüber. Einkaufen und kochen. Darauf freue ich mich schon seit Wochen.

Online

Mittwoch, Oktober 28th, 2009

Selbst leicht angetrunken Frauen auf Datingwebsites schreiben scheint genauso gut zu funktionieren wie ihnen nüchtern nicht zu schreiben.

Score

Montag, Oktober 26th, 2009

Bevor wir vom Spätkauf zurückkommen unterhalten wir uns über die süße Tiermedizinstudentin, darüber, was sie vorhin von ihren vergangenen Sexorgien erzählt hat. Als wir wieder oben auf der Party sind beendet sie gerade das Telefonat mit ihrem Freund. Wir lachen beide laut los, weil nun wohl jeder Versuch aussichtslos ist.

Um sechs Uhr läuft How I Met Your Mother im Fernsehen, mir fallen fast die Augen zu. Nach einer kurzen Umarmung zur Verabschiedung zieht sie mich wieder zurück aufs Sofa, rückt nahe an mich heran, legt ihre Füße auf meinen Schoß, streichelt mich. Ich beuge mich über sie, sie legt ihren Finger auf meinen Mund. “Jetzt nicht.”

Zwischendurch kann ich vor Aufregung kaum ihre Oberschenkel streicheln, mein Bein zittert aus Freude. Der zweite Versuch hat kurzfristig Erfolg, doch dann zuckt sie zurück, sagt “nicht so schnell”. Noch eine Weile kämpfen Adrenalin und Müdigkeit in mir, dann frage ich sie, ob sie schlafen möchte. Im Bett liegt sie von mir weggedreht, ich lege von hinten meinen Arm auf sie und schlafe sofort ein.

Vier Stunden später steht sie vor meinem Bett, verabschiedet sich von mir. Ich bin verdutzt, umarme sie, kann nicht mehr einschlafen.

“Weißt du eigentlich, dass das der erste Abend ist, an dem wir alle rumgemacht haben?” sagt der Mitbewohner später. (Und das liegt alles nur an der neuen Frisur.)

Die ganze Nacht

Sonntag, Oktober 18th, 2009

Es war eine dieser Nächte, von denen ich sonst immer nur gehört hatte. Eine, bei der am Ende alle miteinander herumknutschen. Eine, bei der endlich auch ich mal alle Ängste fallen lassen könnte.

Drei Flaschen billigster Rum samt Cola, zwei hübsche Frauen, drei Männer und ich. Mit Trinkspielen läuft alles auf den Abbau von Hemmungen hinaus. Zuerst wird geküsst, dann ‘rumgemacht’, wobei quotenmäßig immer zwei entweder ihre bisexuelle Ader entdecken oder die Zähne zusammenbeißen müssen.

Der vierte geht, wir sind noch zu dritt. Alles läuft darauf hinaus, dass ich eine von beiden küsse. Die gefärbte Rothaarige links von mir steht auf den Typen daneben, die Blonde rechts hat einen festen Freund und dazu noch kurz vorher mit ihrem besten Freund rumgeknutscht.

Ich lehne ab. Mehrmals. Versuche zu gehen, bin beim zweiten Versuch auch erfolgreich und spüle mir nach dem Besuch beim Spätkauf den Frust mit Alkohol herunter.

Es ist irgendwas zwischen dem Gefühl, das hässliche Entlein zu sein und dem Willen, nicht zweite Geige spielen zu müssen. Den Ehrgeiz zu besitzen, von einer schönen Frau als erste Wahl wahrgenommen zu werden und die Eitelkeit, dass man mich hoffentlich nicht schön oder sich selber hemmungslos trinken muss, um mit mir Lippenkontakt zu haben.

Ich fahre zurück, trinke noch zwei Bier. Die andern beiden kamen gar nicht mehr nach Hause.

subversiv

Samstag, Oktober 17th, 2009

und ehe man sich versieht, haben die kleinen scheißer vergessen, was banden sind, wie man subversiv ist (und warum man das sein sollte), wie man spürt ausge beutet zu werden bzw. (und) was mobbing bedeutet, und viel allge meiner noch, sie verlernen (bzw. lernen es erst gar nicht, vom leben), welche menschen so eine (also: diese) gesell schaft steuern und regu lieren und wieso das unge sund ist, für alle betei­ligten.

Argh! ist zurück.

Zu spät kommen ist doof

Sonntag, Oktober 11th, 2009

Zu spät kommen ist doof

Kürbissuppe, davor Salat, hinterher einen Negerkuss samt angeregter Mohrenkopf-Debatte. Sie sitzt mir gegenüber, halb müde, halb schon auf der Party von ein paar neugewonnenen Architekten-Freunden. Wir essen, trinken, der lockernde Vorschlag nach Trinkspielen wird nur mäßig angenommen. Sie geht ins Bett. “Geh rein und weck sie!” sagt ihre Mitbewohnerin, ich zucke nur bedeutungsschwer mit den Schultern.

Eine Priestertochter. Das erste mal aufgefallen ist sie mir, als wir betrunken über Penisgrößen diskutierten und sie sich einmischte, sagte, das wäre doch nun wirklich nicht wichtig. Naives Verhalten erzeugt Eindruck. Sie hat im Freundeskreis nicht den besten Ruf, schwebt manchmal auf einer etwas anderen Wolke und, um die negativen Eigenschaften zu komplettieren, hat Architektenfreunde.

Wir sitzen da, ich weiß keinen Angriffspunkt außer erhöhtem Alkoholfluss, um das Gespräch anzuheizen, und sie geht ins Bett. Wir trinken weiter, reden, schauen uns Fotos vom G8-Gipfel mit der gefärbten Rothaarigen an, die eigentlich auf den Mitbewohner steht, der aber gerade seine dickbusige Drogenfreundin mitgebracht hat, bis es um zwei Uhr endlich in den Club geht. Sie hat ausgeschlafen, steht wieder auf, macht sich schick, nimmt die Rothaarige mit und geht mit ihr auf die Architektenparty.

Wir tanzen in der Villa. Hungrig, ohne die finanziellen Mittel um sich endgültig zu betrinken, gehe ich schnell wieder nach Hause. “Schade, dass sie nicht mitgekommen ist, hm?” sagt ihre andere Mitbewohnerin. Ich nicke, wüsste aber auch nicht, was ich mit ihr hier anfangen hätte sollen, im nüchternen Zustand.

Hey: Priestertochter. Da muss doch was gehen.

Eins, zwo, drei, vier

Dienstag, Oktober 6th, 2009

Arbeiten, Essen, Schlafen. Ein mal die Woche ein paar Sneaker inklusive Hipsterfassade, die restlichen sechs Tage reicht es dann immer nur für unbequemen Lederschuhe und ein bereits nach wenigen Stunden verschwitztes Hemd. Robotterverhalten, das man an den Tag legt, nur um sich dann darüber aufzuregen, dass die anderen schlechtere Robotter sind als man selbst.

Ein wenig Restparanoia ist geblieben. Meine Finanzplanung geht nur über maximal zwei Tage, das Risiko sexuell ansteckbarer Krankheiten scheint mir nachdem ich Sex hatte so hoch, dass es sich lohnen würde, zumindest darüber nachzudenken, nie wieder Sex zu haben.

Im Schritt marschieren. Und besser nicht allzu plump aus dem Takt kommen.