Die ganze Nacht
Es war eine dieser Nächte, von denen ich sonst immer nur gehört hatte. Eine, bei der am Ende alle miteinander herumknutschen. Eine, bei der endlich auch ich mal alle Ängste fallen lassen könnte.
Drei Flaschen billigster Rum samt Cola, zwei hübsche Frauen, drei Männer und ich. Mit Trinkspielen läuft alles auf den Abbau von Hemmungen hinaus. Zuerst wird geküsst, dann ‘rumgemacht’, wobei quotenmäßig immer zwei entweder ihre bisexuelle Ader entdecken oder die Zähne zusammenbeißen müssen.
Der vierte geht, wir sind noch zu dritt. Alles läuft darauf hinaus, dass ich eine von beiden küsse. Die gefärbte Rothaarige links von mir steht auf den Typen daneben, die Blonde rechts hat einen festen Freund und dazu noch kurz vorher mit ihrem besten Freund rumgeknutscht.
Ich lehne ab. Mehrmals. Versuche zu gehen, bin beim zweiten Versuch auch erfolgreich und spüle mir nach dem Besuch beim Spätkauf den Frust mit Alkohol herunter.
Es ist irgendwas zwischen dem Gefühl, das hässliche Entlein zu sein und dem Willen, nicht zweite Geige spielen zu müssen. Den Ehrgeiz zu besitzen, von einer schönen Frau als erste Wahl wahrgenommen zu werden und die Eitelkeit, dass man mich hoffentlich nicht schön oder sich selber hemmungslos trinken muss, um mit mir Lippenkontakt zu haben.
Ich fahre zurück, trinke noch zwei Bier. Die andern beiden kamen gar nicht mehr nach Hause.