Negativ
In den Pausen zwischen den Schulstunden machte ich mir Gedanken, wie es wohl wäre, HIV positiv zu sein. Vor dem Einschlafen, was ich noch machen wollen würde. Beim lernen, wie die Australierin reagieren würde (“Is HIV really such a big topic here in europe?”), was aus meiner beruflichen Zukunft werden würde, ob ich langsam und qualvoll sterben wollen würde.
Es wäre zu absurd gewesen, wenn ich mir nach diesem Desaster auch noch HIV eingefangen hätte. Doch die Angst frisst das Hirn auf, möglich wäre es ja, und meine Zurückhaltung in den letzten Wochen endete in den schlimmsten Stunden meines Lebens auf dem Gesundheitsamt Kreuzberg.
Das alles löst sich innerhalb von Sekunden auf, zum Glück. Danach kommt nur noch das Versprechen, es in den nächsten Wochen möglichst wild zu treiben. Ein letzter Versuch bei L., ein Party-Wochenende mit F., keine beruflichen Termine mehr am Wochenende. Rücksicht nehmen war gestern, ich will jetzt Spaß haben, die nächste Chance suchen, um mein Leben zu zerstören.