Young love
Hinter mir ruft eine feucht-fröhliche Vierzigjährige “Köln ist auch schon hier!”, vor mir ziehen sich Frauen und Männer fast bis auf die Unterwäsche aus. 18- bis 25jährige kommen heute kostenlos in den Club, A. hatte mich auf die Idee gebracht. Wir suchen uns einen gemütlichen Platz auf einer mit rotem Leder bespannten Matratze und beobachten die Bondage-Show um Mitternacht.
Sie bittet mich, einen Blick in die Runde zu werfen, vielleicht schon jemanden auszusuchen, mit der ich nach oben gehen würde, denn die Empore ist nur für Paare reserviert. Ich bin weiterhin ordentlich schockiert und kann mich kaum regen, treffen sich hier gerade wirklich über Hundert Paare um zu Techno zu tanzen und währenddessen Sex zu haben? Erst einmal möchte ich nur mit ihr nach oben. Wir stehen am Geländer, beobachten abwechselnd die tanzende Menge und die vögelnden Massen hinter uns. Der Anteil Menschen unter Dreißig hält sich trotz Partymotto in Grenzen, weniger faszinierend wird es dadurch trotzdem nicht. Neben uns macht sich ein Pärchen im Schulmädchen- und Indielook aneinander zu schaffen, wir sind beide gleichermaßen interessiert.
Vorerst möchte ich mich nur um A. kümmern. Erst am Geländer der Empore, später etwas abgeschiedener hinter einem halbdurchsichtigen Vorhang. Als irgendwann ein Klischeepärchen (er tätowiert und muskulös, sie mit dezimeterlangen Fingernägeln und blondiertem Haar) sich neben uns zu schaffen macht fängt A. an zu lachen und wir brechen ab. Etwas beschämt bemerke ich nach einem Bier, dass mehr als drei Stunden vergangen sind, die Tanzfläche nahezu leergefegt ist.
Wir starten trotzdem noch einen zweiten Anlauf auf der Empore, als wir uns einen Platz suchen begleiten mich die Augen des Schulmädchens. Ich hätte hingehen sollen, das sagt auch A., aber ich kann es nicht. Nachhaltige Persönlichkeitskomplexe, kein Gesprächsthema, nichts, woran ich bei meinem ersten Swingerclubbesuch arbeiten möchte. Ein halbe Stunde später fasst mir eine Mitarbeiterin des Clubs sanft auf den Oberschenkel und sagt, sie möchten jetzt langsam Schluss machen. Fast als letzte verlassen wir den Club, draußen ist es noch nicht hell.
Ich bin aufgewühlt, sie müde. Nur wiederwillig werfe ich den Plan, jetzt noch im Berghain bis zur Entspannung zu tanzen, über den Haufen und schlafe nach ihrem Wunsch neben ihr ein.