Das blaue Haus
Sonntag, März 14th, 2010Als sie kommt hängen ihr die Rastalocken fast bis zur Hüfte. Es ist die gute alte Tradition, bei der sich verflossene Liebschaften meinerseits nach dem Bruch eine potthässliche Frisur zulegen. Ich lasse sie herein, wir trinken importiertes Kölsch, sie erzählt mir von dem Abend, an dem sie sich abschießen wollte, weil Stress mit ihrem Freund ins Haus stand. Das Opfer war damals ich.
Plötzlich wird mir klar, warum sie den kleinen nächtlichen Wutanfall im Bett hatte und sich monatelang nicht meldete. Nach der Erkenntnis ist es nur noch belangloser Smalltalk. Sie nimmt entweder den Bus oder möchte von mir nach Hause gebracht werden, ich tue ihr den Gefallen. Das erste Mal nach zehn gemeinsamen Abenden erfahre ich ihren Nachnamen, weiß, wo sie wohnt und sehe ihr Zimmer. Lieblose Einrichtung, die sie bis auf die Bücherregale komplett dem Sperrmüll zuführen wird, wenn sie im Sommer zum Studieren nach Göttigen zieht.
Ich wünsche ihr viel Glück und überlege am nächsten Tag, ob ich ihr eine SMS schreiben sollte, nur um zu betonen, dass der Wunsch von Herzen kam.

