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Oktober 28th, 2009Selbst leicht angetrunken Frauen auf Datingwebsites schreiben scheint genauso gut zu funktionieren wie ihnen nüchtern nicht zu schreiben.
Selbst leicht angetrunken Frauen auf Datingwebsites schreiben scheint genauso gut zu funktionieren wie ihnen nüchtern nicht zu schreiben.
Bevor wir vom Spätkauf zurückkommen unterhalten wir uns über die süße Tiermedizinstudentin, darüber, was sie vorhin von ihren vergangenen Sexorgien erzählt hat. Als wir wieder oben auf der Party sind beendet sie gerade das Telefonat mit ihrem Freund. Wir lachen beide laut los, weil nun wohl jeder Versuch aussichtslos ist.
Um sechs Uhr läuft How I Met Your Mother im Fernsehen, mir fallen fast die Augen zu. Nach einer kurzen Umarmung zur Verabschiedung zieht sie mich wieder zurück aufs Sofa, rückt nahe an mich heran, legt ihre Füße auf meinen Schoß, streichelt mich. Ich beuge mich über sie, sie legt ihren Finger auf meinen Mund. “Jetzt nicht.”
Zwischendurch kann ich vor Aufregung kaum ihre Oberschenkel streicheln, mein Bein zittert aus Freude. Der zweite Versuch hat kurzfristig Erfolg, doch dann zuckt sie zurück, sagt “nicht so schnell”. Noch eine Weile kämpfen Adrenalin und Müdigkeit in mir, dann frage ich sie, ob sie schlafen möchte. Im Bett liegt sie von mir weggedreht, ich lege von hinten meinen Arm auf sie und schlafe sofort ein.
Vier Stunden später steht sie vor meinem Bett, verabschiedet sich von mir. Ich bin verdutzt, umarme sie, kann nicht mehr einschlafen.
“Weißt du eigentlich, dass das der erste Abend ist, an dem wir alle rumgemacht haben?” sagt der Mitbewohner später. (Und das liegt alles nur an der neuen Frisur.)
Es war eine dieser Nächte, von denen ich sonst immer nur gehört hatte. Eine, bei der am Ende alle miteinander herumknutschen. Eine, bei der endlich auch ich mal alle Ängste fallen lassen könnte.
Drei Flaschen billigster Rum samt Cola, zwei hübsche Frauen, drei Männer und ich. Mit Trinkspielen läuft alles auf den Abbau von Hemmungen hinaus. Zuerst wird geküsst, dann ‘rumgemacht’, wobei quotenmäßig immer zwei entweder ihre bisexuelle Ader entdecken oder die Zähne zusammenbeißen müssen.
Der vierte geht, wir sind noch zu dritt. Alles läuft darauf hinaus, dass ich eine von beiden küsse. Die gefärbte Rothaarige links von mir steht auf den Typen daneben, die Blonde rechts hat einen festen Freund und dazu noch kurz vorher mit ihrem besten Freund rumgeknutscht.
Ich lehne ab. Mehrmals. Versuche zu gehen, bin beim zweiten Versuch auch erfolgreich und spüle mir nach dem Besuch beim Spätkauf den Frust mit Alkohol herunter.
Es ist irgendwas zwischen dem Gefühl, das hässliche Entlein zu sein und dem Willen, nicht zweite Geige spielen zu müssen. Den Ehrgeiz zu besitzen, von einer schönen Frau als erste Wahl wahrgenommen zu werden und die Eitelkeit, dass man mich hoffentlich nicht schön oder sich selber hemmungslos trinken muss, um mit mir Lippenkontakt zu haben.
Ich fahre zurück, trinke noch zwei Bier. Die andern beiden kamen gar nicht mehr nach Hause.
und ehe man sich versieht, haben die kleinen scheißer vergessen, was banden sind, wie man subversiv ist (und warum man das sein sollte), wie man spürt ausge beutet zu werden bzw. (und) was mobbing bedeutet, und viel allge meiner noch, sie verlernen (bzw. lernen es erst gar nicht, vom leben), welche menschen so eine (also: diese) gesell schaft steuern und regu lieren und wieso das unge sund ist, für alle beteiligten.

Kürbissuppe, davor Salat, hinterher einen Negerkuss samt angeregter Mohrenkopf-Debatte. Sie sitzt mir gegenüber, halb müde, halb schon auf der Party von ein paar neugewonnenen Architekten-Freunden. Wir essen, trinken, der lockernde Vorschlag nach Trinkspielen wird nur mäßig angenommen. Sie geht ins Bett. “Geh rein und weck sie!” sagt ihre Mitbewohnerin, ich zucke nur bedeutungsschwer mit den Schultern.
Eine Priestertochter. Das erste mal aufgefallen ist sie mir, als wir betrunken über Penisgrößen diskutierten und sie sich einmischte, sagte, das wäre doch nun wirklich nicht wichtig. Naives Verhalten erzeugt Eindruck. Sie hat im Freundeskreis nicht den besten Ruf, schwebt manchmal auf einer etwas anderen Wolke und, um die negativen Eigenschaften zu komplettieren, hat Architektenfreunde.
Wir sitzen da, ich weiß keinen Angriffspunkt außer erhöhtem Alkoholfluss, um das Gespräch anzuheizen, und sie geht ins Bett. Wir trinken weiter, reden, schauen uns Fotos vom G8-Gipfel mit der gefärbten Rothaarigen an, die eigentlich auf den Mitbewohner steht, der aber gerade seine dickbusige Drogenfreundin mitgebracht hat, bis es um zwei Uhr endlich in den Club geht. Sie hat ausgeschlafen, steht wieder auf, macht sich schick, nimmt die Rothaarige mit und geht mit ihr auf die Architektenparty.
Wir tanzen in der Villa. Hungrig, ohne die finanziellen Mittel um sich endgültig zu betrinken, gehe ich schnell wieder nach Hause. “Schade, dass sie nicht mitgekommen ist, hm?” sagt ihre andere Mitbewohnerin. Ich nicke, wüsste aber auch nicht, was ich mit ihr hier anfangen hätte sollen, im nüchternen Zustand.
Hey: Priestertochter. Da muss doch was gehen.
Arbeiten, Essen, Schlafen. Ein mal die Woche ein paar Sneaker inklusive Hipsterfassade, die restlichen sechs Tage reicht es dann immer nur für unbequemen Lederschuhe und ein bereits nach wenigen Stunden verschwitztes Hemd. Robotterverhalten, das man an den Tag legt, nur um sich dann darüber aufzuregen, dass die anderen schlechtere Robotter sind als man selbst.
Ein wenig Restparanoia ist geblieben. Meine Finanzplanung geht nur über maximal zwei Tage, das Risiko sexuell ansteckbarer Krankheiten scheint mir nachdem ich Sex hatte so hoch, dass es sich lohnen würde, zumindest darüber nachzudenken, nie wieder Sex zu haben.
Im Schritt marschieren. Und besser nicht allzu plump aus dem Takt kommen.
Eine lustige Anekdote nebenbei, um das Gespräch anzuheizen. Ja, damals, da hat sie mein Kind abgetrieben. Die Australierin, ja. Nein, das Kondom ist nicht wegen eines Bedienungsfehlers gebrochen. Willst du das eigentlich wirklich wissen? Ja, ja, krass, krass.
Es verkommt zur Freizeitgeschichte. Damals, weißt du noch? Von der Australierin habe ich seitdem nichts mehr gehört. Und wüsste auch nicht, was ich ihr sagen sollte.
Die Schulliteratur wird direkt vom Girokonto der Eltern abgebucht, ein Buch über BDSM mit inbegriffen. Der letzte Einzug des Schulgeld fand zum Glück direkt nach dem Geldeingang statt – zwei Tage später hätte es eine Rückbuchung und peinliche Momente mit der Schulleitung gegeben.
Seit zwei Wochen lebe ich nur von Babysittinggeldern und dem, was sich sonst noch irgendwie auftreiben lässt. Bei der Bundestagswahl gibt es als Wahlhelfer wieder 31€, das hilft mir über die nächste Woche. Die Miete müssen meine Eltern zahlen, nur traue ich mich nicht, auch bei den 200€ für Essen und Trinken bei ihnen nachzuhaken. Ich wäre nach all den Jahren gerne ein Sohn, der nur gute Nachrichten nach Hause bringt.
Die neue Securityfirma antwortet nicht auf meine Bewerbung. 1€ mehr pro Stunde holt die Miete auch nicht heraus, könnte aber helfen, um es am Wochenende auch mal in einen Club zu schaffen. Sspätestens am 30. September kommt meine Sparkassen-Beraterin aus dem Urlaub, wird meine Email zum Bildungskredit lesen und mir mitteilen, dass sie mir als Fachschüler leider nichts anbieten kann.
Pech im Spiel, Pech in der Liebe. Mir ist noch nicht klar, an welchem Ende ich die Brechstange ansetzten soll.


Offen, intelligent, kooperativ, sympathisch, kontaktfreudig, aktiv, forsch, redselig(!).
Auf einer Skala von eins bis zehn gibt sie mir in allen positiven Disziplinen Bestnoten. Ich hätte mich nach den ersten drei Wochen als ruhig, zynisch, überheblich und rastlos bezeichnet, wobei mir wieder klar wird, auf welcher Augenhöhe ich anderen Menschen begegne. Lache ich mit ihnen, passiert es schnell, dass ich sie auslache, diskutieren wir, wird rasch eine Belehrung daraus.
Das war ein Dauerbrenner bei meinen Psychologenterminen. Er hat mir oft gesagt, dass ein einfaches Lächeln Wunder bewirken kann, versteinerte Minen nur Verunsicherung hervorrufen. Mit den heute gefallenen Adjektiven verstehe ich erstmals, was er mir sagen wollte.